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letzter Beitrag 14 Jul 2020 03:51 von  Frank Otten
Plus Four 2020
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Frank Otten



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14 Jul 2020 03:51
    Moin!

    Leider standen auch bei der Factory die letzten Monate sehr im Zeichen der Corona-Pandemie, so dass sich auch die Auslieferung des neuen Plus Four an die Händler merklich verzögerte.

    Ebenso konnte man kürzlich in den einschlägigen Medien vernehmen, dass nun auch erst die letzten Stahlrahmen Plus 4 70th aus den Hallen gerollt wurden.

    Da auch im Morgan Club die Meldungen von - aus guten Gründen - abgesagten Veranstaltungen die Überzahl behielten, mussten wir alle unser liebes Hobby eher in sehr eingeschränktem Maße genießen.

    Mich verschlug es nun kürzlich zur Probefahrt des neuen Plus Four zum Morgan Dealer in den hohen Norden.

    Wie heisst es so schön: für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance...

    Ja, optisch ist auch der neue Plus Four ein echter Morgan! Die Kleinigkeiten, welche mich an den Stahlrahmen Plus 4 immer etwas störten, wie z.B. der etwas zu große Freiraum zwischen Rad und Radkasten gibt es hier nicht. Das Auto stand auf schönen 6,5x15 Speichenrädern satt und propper auf den Rädern. Auch die schmale Karosserie - im Vergleich zum Plus Six - ist für meinen Geschmack deutlich gefälliger. Auch die Heckansicht mit zweiflutiger Abgasanlage wirkt sehr stimmig.

    Hingegen fragt man sich, was man sich in Malvern gedacht hat, als die angedeuteten kreisrunden ... was auch immer ... im unteren Gitter vor dem Kühler angebracht wurden. Leider wirkt die Fahrzeugfront etwas überladen, da das Auto über die optional bestellbaren Nebelscheinwerfer verfügte. Vier „Kreise“ pro Seite.... Haupt-, Nebelscheinwerfer, Blinker und dann die ja ... was auch immer für Kringel.

    Sicherlich kann man diese jedoch ganz leicht entfernen, da sie in bekannter Morganqualität angebracht zu sein schienen.

    Bitte versteht mich nicht falsch, mir gefällt das Auto dennoch optisch sehr gut!

    So, zum Interieur.

    Der Innenraum wirkt deutlich aufgefrischt und ist vom Plus Six nicht zu unterscheiden. Für mich als Fahrer mit Gardemaß sehr angenehm, da nun endlich auch die Beine ausreichend Platz finden. Eine Diskussion zum Sinn und Zweck einer Zentralverriegelung etc. stellt sich nicht, da es zukünftig nun noch Autos mit diesen Details geben wird.

    Auch der neue Plus Four hat noch nicht die Fertigungsqualität eine Audi erreicht. Zum Glück!

    Der Startknopf des Wagens gedrückt und der Vierzylinder-Turbo erwacht zum Leben. Der Klang. Ein Vierzylinder. Nicht sehr präsent, aber auch nicht schlecht. So würde man vielleicht auch einen Plus 4 mit Serienauspuffanlage beschreiben. Optionale Abgasanlagen sind bereits in Arbeit hieß es.

    Das von mir gefahrene Auto verfügte glücklicherweise über ein Schaltgetriebe und machte gleich auf den ersten Metern deutlich, dass ich in einem sehr modernen Morgan saß.

    Das Getriebe. Sehr gut. Der Motor. Sehr durchzugsstark.

    Natürlich verbieten bereits die Leistungsdaten den Vergleich zum alten Plus 4. Und um ehrlich zu sein, wäre auch ein Vergleich zum leistungsmäßig sicherlich ähnlichen Roadster irgendwie unpassend.

    Vielmehr habe ich den neuen Plus Four als völlig eigenständiges Auto erlebt.

    Damit erübrigt sich die Diskussion darüber, welcher Morgan denn der bessere oder ursprünglichere sei.

    Ursprünglich. Die ersten Threewheeler, keine Frage.

    Für einige sicherlich auch die puristischen 4/4.

    Andere schwören zu Recht auf den guten - von Buick konstruierten - V8.

    Und besser?

    Soviel vorweg. DIe leider nur kurze Ausfahrt im neuen Plus Four hat gezeigt, dass Morgan ein neues Phänomen konstruiert hat.

    Keiner der von mir zuvor gefahrenen Morgan - mit Ausnahme des Plus Six - brachte dem Fahrer und Beifahrer ein so grosses Frischluftvergnügen ... bei geschlossenen Türen und Dach!

    Wie es die Factory geschafft hat, nach dem Plus Six auch bei Plus Four fingergroße Spalte an den Türen zu konstruieren, ist mir schleierhaft! Und nicht notwendig. Doch auch hierfür wird es sicherlich bald Lösungen geben.

    Mit offenem Dach - und so sollte ein Morgan schließlich bewegt werden - ist der ganze Ärger dahin. Das Auto fährt großartig. Kein Vergleich zu den weichen Stahlchassis. Eine sehr harmonische Dämpferabstimmung, die auch nicht zu hart geraten ist. Eine recht präzise Lenkung und ein, im Vergleich zum Plus Six, sehr leichtfüßiges Einlenk- und Fahrverhalten insgesamt.

    Würde man jetzt nicht über die wunderschöne Motorhaube schauen, könnte man fast meinen, ein modernes Auto zu bewegen.

    Auch der Motor erinnert natürlich nicht an die Leistungscharakteristik solcher Triebwerke aus vergangenen Tagen.

    Der Turbo ist stets präsent, der Auspuff ploppt im Sport-Modus, wie es auch aktuelle Minis machen. Der Motor „drückt“ energisch; fast ohne Turboloch. Doch trotz der erheblichen Leistungsdaten fühlt sich die Fahrt keineswegs nach dem Ritt auf der Kanonenkugel an. Dafür gibt es ein zu perfektes Fahrwerk, zu standfeste Bremsen und ein sehr verwindungsarmes Chassis.

    Der Vergleich vom alten Mini zum New Mini ist durchaus auch im Falle Morgan passend. Man kann sie nicht vergleichen.

    Einzig die Sitze erinnern dann doch noch etwas an einen alten Kutschbock. Man sitzt auf ihnen und nicht im Sitz. Und dazu auch noch viel zu hart. Die alten Sitze waren um Welten besser!

    Tja, wie ist mein Fazit? Ich bin das Auto nicht lange genug gefahren, um mir ein aussagekräftiges Urteil erlauben zu können.

    Eines ist jedoch sicher. Es hat eine neue Zeit bei Morgan begonnen. Es gibt kein zurück.

    Ich werde meine „alten“ Morgan sicherlich behalten. Trotzdem finde ich persönlich auch das neue Fahrzeugkonzept äußerst reizvoll.

    Wie schon mit dem Plus Six wird die Factory auch mit dem Plus Four völlig neue Käuferschichten erreichen (wollen).

    Für mich ist das neue CX-Chassis eine gelungene Entwicklung; egal mit welchem Motor. Aber eben auch kein Morgan, wie wir ihn bisher kannten.

    Ich drücke uns zumindest insoweit die Daumen, dass nicht alle Morgan zukünftig nur noch mit Automatikgetrieben gefertigt werden.

    Die CX Plattform würde doch durchaus für leistungsstarke Varianten mit Schaltgetriebe eine spannende Basis darstellen. Ich denke da nur an die Motor-Schaltgertiebevariante des BMW M2. Dazu das klassische Verdeck und Brookslands...

    Sobald es möglich ist, werde ich noch einmal eine ausführliche Fahrt im Plus Four unternehmen und mich vom zweiten Eindruck überraschen lassen.

    Bleibt gesund!

    Frank
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